Zusammenarbeit mit der Erweiterung des Institutsgebäudes in den 60er JahrenUniversität Frankfurt

Eine neue, sehr erfolgreiche Phase in der Institutsentwicklung wurde 1963 durch Martin Lindauer, damals Direktor des Zoologischen Instituts der Universität Frankfurt, eingeleitet.
Auf seine Initiative hin wurde das Institut der Polytechnischen Gesellschaft vertraglich eng an die Universität Frankfurt gebunden. Lindauer holte 1964 Friedrich Ruttner, den hoch angesehenen Leiter des Bieneninstituts in Lunz, Österreich, als Institutsleiter nach Oberursel. Ruttner wurde gleichzeitig Professor für Zoologie am Fachbereich Biologie der Goethe Universität. Der Vertrag zwischen Universität und Polytechnischer Gesellschaft sicherte die Finanzierung des Institutes, aber es wurden auch dringend moderne Labore und Büros benötigt. Mittel der Stiftung Volkswagenwerk und Grundstückszukäufe ermöglichten die Errichtung eines modernen, zweigeschossigen Anbaues mit über 300 m² Nutzfläche an das alte Institutsgebäude. Friedrich Ruttner gilt als der Begründer der modernen Bienengeographie. Seine „Taxonomie and Biogeography“ hat ein neues Kapitel der wissenschaftlichen Klassifizierung der Honigbienen aufgeschlagen und ist auch heute noch ein Standardwerk der Bienenbiologie. Schon bald existierte in Oberursel die weltweit bedeutendste wissenschaftliche Sammlung von Bienenarten und Unterarten, die heute mehr als 3000 wertvolle Präparate umfasst. Ruttner pflegte intensive Forschungskontakte mit Wissenschaftlern aus aller Welt, er gründete mit seinem französischen Kollegen Jean Louveaux 1970 die Fachzeitschrift Apidologie,Der damalige Institutsleiter Friedrich Ruttner. 
heute die bedeutendste bienenwissenschaftliche Zeitschrift. Unter seiner Leitung wurde das Oberurseler Institut zu einem der weltweit führenden Bieneninstitute in Paarungsverhalten, Genetik, Taxonomie und Bio- bzw. Phylogeographie der Honigbienen. Vor allem Ergebnisse über das Paarungsverhalten von Königinnen und Drohnen und die Einführung der künstlichen Besamung hatten einen nachhaltigen Einfluss auf die Bienenzucht in ganz Deutschland. Ruttner war stets die praktische Verwertbarkeit seiner Erkenntnisse sehr wichtig: Sein Buch „Die Zuchttechnik und Zuchtauslese bei der Biene“ stellte die praktische Bienenzucht auf solide wissenschaftliche Beine. Als 1976 die Varroamilbe in Deutschland erstmalig entdeckt wurde, entwickelten Forscher aus Oberursel die ersten Bekämpfungsmethoden gegen den Parasiten.

Nikolaus Koeniger leitete von 1981 bis 2007 das Institut. Koeniger, der bei Ruttner promovierte, arbeitete zunächst über Alarm – und Brutpheromone. Nach seiner Rückkehr aus Kanada, wo er als Professor am Department of Environment der University Guelph Bienenbiologie und „Apiculture“ vertreten hatte, forderte zunächst der Kampf 
gegen die Varroamilbe und die Eindämmung der großen Bienenverluste Priorität. Nach der erfolgreichen Entwicklung der Konstant-Release Applikationen in Oberursel gemeinsam mit polnischen Kollegen entspannte sich die Varroasituation. Vergleichende Studien über parasitische Milbenarten in Asien führten zur Entdeckung einer neuen Milbenart der Riesenho-nigbiene (Tropilaelaps koenigerum), die in Asien offensichtlich auch unsere Honigbienenart befallen kann. Zusammen mit asiatischen Kollegen entdeckte und beschrieb Koeniger eine neue Honigbienenart (Apis nuluensis, Tingek, Koeniger and Koeniger 1996) und erbrachte Nachweise für weitere bereits beschriebene Honigbienen als eigene Arten. Gemeinsam mit seiner Frau analysierte er die reproduktive Isolation bei sympathrischen Bienenarten. 
 

Geschichte Teil 1: Die ersten Jahre

Geschichte Teil 3: Neuausrichtung



Zeittafel zur Geschichte des Instituts

1937 Gründung des Instituts für Bienenkunde durch die Polytechnische Gesellschaft
1938 Fertigstellung des Gebäudes auf dem Siedlungslehrhof, 1. Leiter: Hugo Gontarski
1939 - 1945 Unterbrechung der Forschungen während
 des Zweiten Weltkriegs 
1945 Gelände um das Institut wird Teil der US-Kaserne „Camp King“
1956 Kauf und Umbau eines Einfamilienhauses durch die Polytechnische Gesellschaft
1956 - 1963 Enge Kooperation mit Universität Gießen
1963 Tod von Hugo Gontarski
1963 Erster Vertrag zwischen Goethe-Universität und Polytechnischer Gesellschaft
1964 Berufung von Prof. Dr. Friedrich Ruttner als Leiter nach Oberursel
1970 Gründung der Fachzeitschrift „Apidologie“ durch Friedrich Ruttner und Jean Louveaux
1976 Entdeckung der ersten Varroamilbe in Deutschland durch Oberurseler Forscher
1981 Prof. Dr. Nikolaus Koeniger neuer Leiter des Institutes
1996 Erste Beschreibung der Bienenart Apis nuluensis durch Tingek, Koeniger und Koeniger
2005 Verkauf der Sparkasse 1822 durch die Polytechnische Gesellschaft
2008 Neuer Vertrags zwischen Polytechnischer Gesellschaft und Goethe-Universität
2008 Prof. Dr. Bernd Grünewald Stiftungsprofessor der Polytechnischen Gesellschaft und neuer Leiter 
2008 Renovierung des Institutes, Aufnahme neurobiologischer Forschung und Lehre
2011 Bezug neuer Laborräume im Biologicum
2012 Feier zum 75-jährigen Bestehen des Institutes